Rückblick auf den Abend im Rahmen des Projekts „Meet a Jew“ – eine nicht alltägliche Begegnung

Anna und Philipp sind zwei junge Erwachsene Mitte 20. Die beiden leben als Jüdin bzw. Jude. Darum ist die Begegnung mit ihnen nicht alltäglich. „Wer hat schon einmal einen Juden getroffen?“ Nur wenige der fast 30 Teilnehmenden heben bei dieser Frage die Hand. Nach den furchtbaren Ereignissen der Nazi­-Zeit leben bis heute keine jüdischen Familien mehr in Eberbach.

Wie leben Jüdinnen und Juden in Deutschland heute? Um dies aus erster Hand zu erfahren, hatte der Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Eberbach“ zu diesem Begegnungsabend eingeladen. Anna ­ ihre Familie ist gebürtig aus Sankt Petersburg ­ erzählt, wie sie in der jüdischen Gemeinde Stuttgart Anschluss gefunden hat. Philipp, dessen Familie aus Ungarn kam, fand in der Jugendarbeit der Mannheimer Synagoge seine religiöse Heimat.
Im Hin und Her von Frage und Antwort ist viel zu erfahren: über orthodoxe und liberale jüdische Gemeinden in Deutschland, über begrenzte Möglichkei­ten, koschere Speisen zu bekommen ­ also Speisen, die nach den Vorschriften der Tora ­ der jüdischen Bibel ­ zubereitet sind. „Zwei Juden, drei Meinungen“. So inszenieren Anna und Philipp, die auch ein Paar sind, ihre Beiträge ­ teils kontrovers. Dabei wird auch viel gelacht.
Im von der Sonne aufgeheizten Raum im Gemeindehaus am Leopoldsplatz werden aber auch die heißen Eisen nicht ausgespart. „Erlebt Ihr Antisemitismus in Eurem Alltag?“ Die beiden erzählen von Pöbeleien in der Schulzeit und wie sie nur überlegt ihre Halskette mit dem Davisstern ­ dem Zeichen des Judentums ­ zeigen. Hitzig wird es auch, als es um das Thema „Drittes Reich“ und Antisemitismus in der Schule geht. Junge Teilnehmerinnen berichten Unterschiedliches: Teils kommt man bei der Stoff­Fülle gar nicht bis zu dieser jüngeren Zeitgeschichte. Andererseits gibt es auch intensive Projekte dazu im Geschichts­ und im Religionsunterricht. Zu erinnern ist etwa an das Digiwalk­Projekt am Hohen­ staufen­Gymnasium. Nach einem gemeinsamen, hebräischen Lied, gehen alle bereichert und erfüllt nach Hause.